Gaststätte Spiegelslust

Das idyllisch
im Wald gelegene Ausflugsziel

Historie

Um das Jahr 1800 begann in Deutschland die Zeit der Romantik. Nach der Klassik mit ihrer Betonung von strenger Form und Rationalität wurden in der Romantik Gefühl und Innerlichkeit, das Individuum und sein Erleben der Welt als neu entdeckt. Auch in Marburg fand diese Bewegung rasch begeisterte Anhänger; im Forsthof in der Ritterstraße lebten und arbeiteten im ersten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts mit Friedrich Carl Savigny, Achim von Arnim, den Brüdern Grimm und den vier Geschwistern von Brentano einige ihrer bedeutendsten Vertreter.

Es war in dieser Zeit, als ein Kanzleibeamter des Marburger Obergerichts namens Köhler auf seinen Wanderungen rund um Marburg auf den Lahnbergen einen Aussichtsplatz entdeckte, der einen einzigartigen Blick auf das Marburger Schloß, die Altstadt und die Elisabethkirche bot. Er ließ Sitzgelegenheiten aufstellen und schon bald war dies ein beliebtes Ausflugsziel der Marburger, die ihm den Namen „Köhlers Ruhe" gaben.

An der Marburger Universität studierte seit dem Jahre 1820 Werner Freiherr von Spiegel zum Desenberg. Seine Familie, dessen Geschichte sich bis zum Mittelalter zurückverfolgen läßt, lebte seit Mitte des 18. Jahrhunderts in Halberstadt am Ostrand des Harzes. Dort war der Großvater Werners 1753 Domdechant geworden und hatte 1761 einen Teil der kahlen Halberstädter Berge erworben, um auf ihnen einen kleinen Landschaftspark und ein kleines Jagdschloß anzulegen. - Noch heute tragen sie den Namen „Spiegelberge".


Der Natur- und Jagdliebhaber Werner Freiherr von Spiegel entdeckte auf seinen Streifzügen in der Marburger Umgebung sehr bald die „Köhlers Ruhe". Nachdem der Kanzleibeamte Köhler 1821 verstorben war, kümmerte sich Freiherr von Spiegel intensiv um den schönen Aussichtsplatz auf den Lahnbergen. Er ließ auf eigene Kosten eine schmucke Anlage mit Steingrotten, einen Musikpavillon und einen kleinen Keller zur Aufbewahrung von Getränken errichten. Diese Anlage vergrößerte die Bekanntheit und Attraktion des Ortes enorm und bald wurde er von vielen Besuchern nur noch „die Spiegelslust" genannt.

Als Freiherr von Spiegel Marburg nach seinen Studienjahren verließ, schenkte er die gesamte Anlage auf „Spiegelslust" der Stadt Marburg. Da die Beliebtheit dieses Ausflugszieles stetig wuchs, gestatteten Marburgs Stadtoberen in den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts die Errichtung einer schlichten Gaststätte. Nicht weit von ihr entfernt wurde im Jahre 1887 der Grundstein für einen Aussichtsturm gelegt; ein erster Turmbau war 1876, immerhin 29 Meter hoch, bei einem Sturm eingestürzt. Ein neuer Versuch des Aufbaus gelang, und am 2.09.1890, 20 Jahre nach der Schlacht von Sedan, wurde der 36 Meter hohe Turm eingeweiht, der zur Erinnerung an die Gründung des 2. Deutschen Reiches den Namen „Kaiser-Wilhelm-Turm" erhielt.

Die Waldgaststätte und die gesamte „Spiegelslust" wurde im Laufe der Jahre immer wieder umgestaltet. Viele Pächter kamen und gingen. Seit dem Jahre 1961 wohnt und wirtschaftet die Familie Bättenhausen auf „Spiegelslust". Jens und Jörg Bättenhausen übernahmen den elterlichen Betrieb 1989. Nach umfangreichen Ausbauten und Renovierungen wurde die Gaststätte am 23. Mai 1990 wiedereröffnet. Nach über 10 jährigem Geschäftsbetrieb ist die Gaststätte zum 1.01. 2004 in eine Kommanditgesellschaft überführt worden und wird seitdem durch den Besitzer und Geschäftsführer Jens Bättenhausen sowie dem Gesellschafter Patrick Henkel, einem Enkelsohn der Gründer, geführt.

(Text: Roland Schmidt, ehemaliger Mitarbeiter)

Öffnungszeiten:

Dienstag bis Sonntag ab 9.30 Uhr bis ca. 22.00 Uhr

Montags Ruhetag (außer an Feiertagen)

 

Kontakt:

Tel: 06421-61312

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